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Denkt doch mal groß!

Wenn sich Ressorts in der Kommunalpolitik nicht abstimmen – Eine Polemik über Bremen-Vegesack

Das Vegesacker Bad muss dringend saniert oder neu gebaut werden. Foto: Buschmann

Der Bremer Stadtteil Vegesack – eigentlich ist es hier ganz schön. Gleichwohl gibt es eine Reihe von Problemlagen. Sie zu lösen ist Aufgabe von Politik und Verwaltung. Deren Akteure jedoch lassen leider allzu oft den Blick fürs Große und Ganze vermissen. Bestes Beispiel dafür ist die Diskussion darüber, ob das Freizeitbad Fritz Piaskowski neu gebaut werden soll oder ob es eine umfangreiche Sanierung tut. Gleich nebenan tut sich das nächste Problem auf: Der ehemalige Sportplatz hinterm Bad soll eine Kita bekommen und die angrenzende Sporthalle Ist so marode, dass auch sie neu gebaut werden müsste – bis auf die Fassade, denn die steht unter Denkmalschutz. Achja: Ein Neubau der Grundschule Fährer Flur muss auch noch her!

Gemengelage

Soweit die Gemengelage. In der öffentlichen Diskussion hingegen spielen die Kita und die marode Sporthalle zumindest so gut wie keine Rolle. Kein Wunder, denn hier hängen zwei Ressorts zusammen, die sich allem Anschein nach nicht wirklich abstimmen zu scheinen: Einerseits das Sportressort mit den Bremer Bädern, das sich um Halle und Schwimmbad sorgen sollte. Zuständige Senatorin: Anja Stahmann (Grüne). Um die neue Kita in Verbindung mit der Grundschule Fährer Flur kümmert sich Claudia Bogedan (SPD). Sie ist Senatorin für Kinder und Bildung. Und mittendrin sozusagen als Scharnier: die städtische Grundstücksverwaltung Immobilien Bremen (IB). Ein Eigenbetrieb.

Denkgrenzen

Die öffentliche, sich in den lokalen Medien niederschlagende Diskussion läuft so: Sozial- und Sportressort mit Bremer Bädern denken darüber nach, wie die Zukunft des Bades aussehen könnte. Aussagen über die Halle gibt es nicht. Ähnlich läuft es aus der Richtung des Kinder- und Bildungsressorts: Was wird aus der Schule, wie soll die Kita mit Krippe aussehen? Von dort richtet sich der Blick ebenso wenig nach links und rechts. Immobilien Bremen lässt noch durchblicken, dass sie zumindest für das Hallenproblem keine (Planungs-) Kapazitäten haben. Und dass eigentlich alle Beteiligten kein Geld haben, ist eh schon klar.

Ausweg in Sicht!?

Ausweg? Nicht in Sicht. Dabei liegt zumindest ein Teil der Lösung förmlich auf der Straße. Oder sollte es. Die könnte etwa so aussehen: Die Beteiligten setzen sich an einen Tisch und planen gemeinsam eine Art von Quartierszentrum. Da gibt es eine neue, moderne Sporthalle, ein modernes Schwimmbad und gleich dabei Kitas und Schule. Hinzu kommen Bewegungsräume, Büros, Sozialräume und so weiter. Eben alles das, was für solche ein Zentrum notwendig ist.

Vorteile für alle

Das alles hat übrigens einen konkreten Hintergrund: Solch ein Projekt kann und darf auf keinen Fall ohne die Vereine vor Ort geplant werden. Sie müssen bei der Planung und Konzeption beteiligt werden. Damit lassen die sprichwörtlichen mehreren Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kita, Krippe und Schule könnten ihre Kinder zur Bewegung animieren und die Vereine haben endlich die Möglichkeit, zeitgemäße Angebote zu machen.

Natürlich sind noch viele Fragen offen, die geklärt werden müssen. Dabei geht‘s darum zu schauen was möglich ist – und nicht gleich zu sagen, was nicht geht.

Die Halle an der Fritz-Wildung-Straße ist längst marode. Auch hier gilt: Ein Neubau muss her. Foto: Buschmann