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…dann eben übers Netz

Zur Recherche gehört auch das Lesen von Papieren zum Thema. Fotos: Buschmann

Corona: Arbeiten vom Homeoffice aus ist anders als die Begegnung mit Menschen

Das Homeoffice: Fluch oder Segen? Diese Frage stellen sich angesichts des nun schon seit März 2020 anhaltenden Corona-Lockdowns immer mehr Menschen. Tausende von Arbeitnehmer*innen aller Branchen und aller Sektoren hat es in die heimischen vier Wände verschlagen. Die Medien beziehungsweise die Redaktionen sind davon nicht ausgenommen. Und wir Freien? Tja, wir arbeiten sowieso in der Regel im Homeoffice. Also nichts Neues? Im Grunde nicht. In den vergangenen knapp zwei Monaten hat sich jedoch gezeigt, dass sich etwas verändert hat: Es fehlt der Kontakt zu Menschen, zu Gesprächspartnern. Vieles erledige ich zwar per Telefon oder auch durch Recherchen im Internet. Dennoch gehört zu einem abgerundeten Berufsleben das Gespräch mit Protagonistinnen und Protagonisten dazu.

Höherer Kuschelfaktor muss sein

Verhalten, Ausdruck, Mimik: Dies alles zu ergründen, geht Aug-in-Aug-Gespräch viel besser als am Telefon oder via Webkonferenz mit Kamera. Beim Kontakt zu Menschen ist letztlich doch der Kuschelfaktor viel höher als am Telefon oder über Netz. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ich im Lokalen ausgewählte Serien betreue. Dazu zählt vor allem das Format „Frühstück bei…“ für das Osterholzer Kreisblatt.

Warum meine Serie nicht stattfinden kann

Dass ich nicht in meine Rolle als „Frühstücksdirektor“ schlüpfen kann, wie mich ein Kollege gerne bezeichnet, hat mehrere Gründe:

  • Die in Niedersachsen und Bremen gültigen Allgemeinverfügungen untersagen es, Menschen in ihrem privaten Umfeld aufzusuchen. Zwar ist das Frühstück Arbeit und somit im Sinne der Allgemeinverfügung aufgehoben. Trotzdem verzichte ich darauf, um nicht die Familie meines jeweiligen Protagonisten und mich selbst gesundheitlich zu gefährden.
  • Wenn ich mit Menschen frühstücke, ist es möglich, dass wir den gebotenen Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern nicht einhalten können. Dies habe ich im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahre, die ich diese Serie inzwischen betreue, erlebt: Zwischen mir und meinem Gesprächspartner betrug der Abstand knapp einen Meter.
  • Und dann ist da noch die Sache mit dem Foto: Der „Frühstücksdirektor“ bringt zum Termin nämlich stets eine Kollegin oder einen Kollegen der Abteilung Bildjournalist*in mit. Schließlich sollen die Fotos sozusagen aus dem prallen (Frühstücks-) Leben heraus entstehen.

Bei schönem Wetter findet das Homeoffice auf der Terrasse statt.

Wie geht es nach dem Lockdown weiter?

Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Geplant ist laut Absprache der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, ab diesem Monat vorsichtig zu einem normalen Leben zurückzukehren. Soll heißen: Einige Maßnahmen des Lockdowns werden gelockert. Dies könnte mit viel Glück auch für die Medienredaktionen gelten. Dann werde ich ebenso versuchen, meine Frühstücksreihe wieder aufzunehmen. Natürlich mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen.

Sollte dies nicht der Fall sein, bleibt mir wohl nichts anderes übrig als mich wie Tausende anderer Menschen auch in Geduld zu üben. Parallel dazu arbeite ich an anderen Geschichten. Die Idee eines Online-Frühstücks jedoch verfolgen wir erst einmal nicht weiter. Dies, so die Auffassung der Redaktionsleitung, kommt zu spät. Begründung: Zu Beginn des Lockdowns hätte es gut gepasst.

Von Covid19 haben wir noch lange etwas

Nun denn. Also mache ich mich zusätzlich auf die Suche nach anderen journalistischen Serien und Formaten. Eine ist übrigens schon angelaufen: „Ulf unkt“. In meiner Kolumne spieße ich für den „Nordanschlag“ das Alltagsleben in Bremen-Nord und umzu auf. In Ausgabe 1 geht es – wie sollte es anders sein – um den 1. Mai, den „Tag der Arbeit“.

Denn eines steht fest: Vielleicht werden wir in einigen Monaten den Lockdown etwas gelockert haben. Doch mit dem Virus werden wir noch einige Jahre leben müssen. Aber das habe ich ja schon aufgeschrieben.