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Blaulicht! Blaulicht!

Ich konnte an den Brandherd relativ nah herankommen. Foto: Buschmann

Es begab sich aber, dass an einem Sonnabend die Sirene heulte. Schnell waren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zur Stelle und am Einsatzort. Was im ersten Moment wie eine konstruierte Geschichte anmutet, ist Realität. Ich habe es selbst so erlebt. Es war wieder eine dieser Geschichten, die das Journalistenleben schreibt.
Pfingstsonnabend, 19. Mai 2018. Ich bin für das OSTERHOLZER KREISBLATT beim Aufstellen des Pfingstbaums in Garlstedt. Das Runddorf gehört zur Stadt Osterholz-Scharmbeck. Es ist ein netter Abend. Die Besucher genießen das kleine Spektakel zum Aufstellen des Baumes und die anschließende amerikanische Versteigerung. Die 527 Euro, die am Ende zusammenkommen, fließen in die Erhaltung des Alten Kühlhauses. Alle Fakten sind „im Block“, wie wir Journalisten es nennen. Kamera und Schreibmappe sind im Rucksack verstaut – der Feierabend ist nahe.
Doch dann heult die Sirene über dem Gerätehaus der Ortsfeuerwehr auf. Die Mitglieder brauchen zum Teil nur über die Straße laufen, andere kommen mit dem Auto. Keine fünf Minuten nach dem Aufheulen der Sirene rückt das erste Auto aus. „Schau mal, dort hinten steigen Rauchwolken auf“, sagt einer der Besucher. Das verheißt nichts Gutes! Auch ich sehe meinen Feierabend in weitere Ferne rücken.
Ich folge den Einsatzkräften. Jetzt heißt es für mich in mehrfacher Hinsicht Vorsicht walten zu lassen: An erster Stelle muss ich darauf achten, mich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Dann darf ich den Einsatz der Feuerwehr nicht behindern. Unter dem Strich bedeutet es für mich, dass ich mich nicht ungehindert an der Einsatzstelle bewegen darf.
Unachtsamkeit kann für mich unangenehme Folgen haben: Sollte ich mich verletzen, hat der Kostenträger – in dem Fall die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft – das Recht, meine Behandlungskosten abzulehnen. Aber auch die rechtlichen Konsequenzen sind nicht zu unterschätzen, denn ich bewege mich zwischen Einsatzkräften, die in dem Moment des Einsatzes hoheitsrechtliche Aufgaben wahrnehmen. Dafür kann mir die Polizei zum Beispiel einen Platzverweis aussprechen.
Soweit lasse ich natürlich nicht kommen, im Gegenteil: Ich habe in fast 30 Jahren Lokaljournalismus ausreichend Erfahrung gesammelt, um zu wissen, wie ich mich zu verhalten habe. Außerdem habe ich in 13 Jahren Katastrophenschutz-Tätigkeit auch die sprichwörtliche andere Seite des Tisches kennengelernt.
Entsprechend vorbereitet bin ich auf die Situation: Ich nähere mich mit der Kamera in der Hand dem Brandherd, soweit es mir möglich ist. Ein Feuerwehr-Mann gibt mir ein Zeichen: Bis hierhin und nicht weiter. Ich entferne mich wieder. Ich warte also in gebührendem Abstand, was geschieht und gehe nach einer halben Stunde noch einmal in Richtung Einsatzgeschehen. Ein Polizist kommt auf mich zu und fragt freundlich: „Sind Sie von der Presse?“ Ich bejahe seine Frage. Er möchte meinen Presseausweis sehen. Ich zeige ihn vor. Alles ist in Ordnung.
In diesem Moment kommt der einsatzführende Stadtbrandmeister von Osterholz-Scharmbeck auf mich zu. Er bietet mir an, mich näher an das Geschehen heranzuführen. Über ein benachbartes Grundstück darf ich mich in Begleitung dem Ort des Geschehens nähern. Jetzt sehe ich das ganze Dilemma: Aus einem Gastank schießt einen meterhohe Stichflamme. Ich mache schnell meine Fotos und entferne mich dann zügig.
Ich beschließe jetzt, kurz vor Mitternacht und nach knapp zwei Stunden vor Ort, mich auf den Heimweg zu machen. Zwischendurch habe ich per SMS meine diensthabende Redakteurin informiert. Bereits jetzt weiß ich, dass der folgende Pfingstsonntag anders verlaufen wird als geplant. Zusätzlich zum Lokaltermin – Maimarkt in Osterholz-Scharmbeck – muss ich einen längeren Text über die Einsätze der Feuerwehr schreiben.
Denn an diesem Abend brennt es nicht nur in Garlstedt. Als ich zuhause ankomme, schickt mir meine diensthabende Redakteurin: In Osterholz-Scharmbeck hätten gerade die Sirenen geheult. Ob ich etwas über den Grund wisse. In diesem Moment weiß ich noch von nichts. Erst als ich am Vormittag mit dem ebenfalls bei zwei der Brände anwesenden Kreisbrandmeister telefoniere, wird mir das ganze Ausmaß klar: Im Landkreis Osterholz hat es in der Nacht von Sonnabend auf Pfingstsonntag fünf Mal gebrannt.
Nach Absprache mit meiner diensthabenden Redakteurin schreibe ich deshalb einen längeren Text für die Online-Ausgabe des OSTERHOLZER KREISBLATT. Der Grund: Die Tageszeitung wird erst wieder am Dienstag erscheinen. Die Leser sollen jedoch möglichst aktuell über das Geschehen informiert werden. Am späten Nachmittag ist der Text online mit drei Fotos zu lesen. Meine Kollegin kürzt ihn für die Druckausgabe noch etwas ein. Fotos werden dazu nicht erscheinen – was ich mir allerdings schon gedacht habe, denn das Licht war sehr diffus. Für den Zeitungsdruck sind solche Fotos denkbar ungeeignet.
Inzwischen ist es Pfingstmontag. Erst jetzt komme ich dazu, meinen eigentlichen Haupttext zu schreiben: den über das Setzen des bunten Pfingstbaumes. Dies ist am frühen Vormittag erledigt. Und auch der zweite Termin des ereignisreichen Wochenendes ist abgearbeitet, der Maimarkt. „Welch ein Glück“, denke ich später, „niemand ist zu Schaden gekommen.“ Übrigens sind die Feuerwehrleute alle ehrenamtlich tätig.