Brinkum: Oftmals sind alte Dokumente wertvoll für die lokale Gegenwart

Jedes Jahr das gleiche Spektakel: Beim Brinkumer Schützenfest schreiten Hauptmann und Schützenkönig die Ehrenformation ab.

Das Brinkumer Schützenfest in den 1960er-Jahren durch die Kamera gesehen. Fotos: Buschmann

Oh man, so sah es damals aus? Unglaublich! So oder ähnlich reagiert ein Mensch, wenn er die Möglichkeit hat, in Dokumente der Vergangenheit zu schauen. In diesem Fall bin ich es, der Lokalreporter. Kürzlich war es mir vergönnt, eine DVD der Brinkumer Schmalfilmfreunde zu bekommen. In zwei Teilen sind darin die „Brinkum-Schauen“ aus den Jahren 1964 bis 1971 aufbereitet – im wahrsten Sinne des Wortes ein echter Hingucker. Gerade für jemanden wie mich, der an Lokalgeschichte interessiert ist.

Wiederkehrende Themen

Schützenfest, Fußball, Stadtentwicklung, Verkehr. Alles das sind Themen, die mehr oder weniger im Lokaljournalismus eine Rolle spielen. Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, aber vieles ist eben auch geblieben. Wie es damals, in den 1960er-Jahren, auf dem Dorf zuging, zeigen diese Aufnahmen der Brinkumer Schmalfilmfreunde sehr anschaulich. Dies trifft natürlich auch auf die 1970er-Jahre zu.

Beispiel Schützenfest: Alljährlich im Sommer steht der Ort Kopf. Mit großem Pomp in einer Art Staatslimousine werden die Majestäten eingesammelt. Es gibt Blasmusik und ordentlich Bier und Korn. Dieses gehört zu den Traditionen der Schützen, die sich in den historischen Bildern als trinkfestes Volk darstellen. Da machen übrigens die Polizisten keine Ausnahme: Dass die Ordnungshüter in Uniform den Korn hinunterstürzen, war damals normal.

Fußball und Gemeindedirektor

Beispiel Sport: Der ganze Ort scheint auf den Beinen, als es für den Brinkumer SV gegen Eintracht Aumund um den Einzug in die Fußball-Landesliga geht. Wer wie ich mit den Augen von heute auf die Bilder schaut, stellt in erster Linie fest: Der Sportplatz ist recht einfach gestaltet. Umkleidekabinen, Ballfangzäune oder Ähnliches gibt es da nicht.

Beispiel Kommunalpolitik: Wer bitte weiß denn heute noch, dass Brinkum einst eine eigenständige Gemeinde mit der in den 1960er-Jahren üblichen Doppelspitze hauptamtlicher Gemeindedirektor/ehrenamtlicher Bürgermeister war? Dieses Konstrukt existierte bis in die 2000er-Jahre hinein. In Brinkum musste einst der Gemeindedirektor vom Rat neu gewählt werden. Dies geschieht mangels eines Sitzungssaales in einer der Gasthäuser, die über einen Festsaal verfügen. Rauchgeschwängert ist die Luft, und es gehen diverse Biere und Kurze über den Tresen.

Der überörtliche Verkehr der B6 und B51 floss in den 1960er-Jahren durch Brinkums Ortsmitte.

Unglaublich: Der Verkehr von und nach Osnabrück und Diepholz muss durch den Brinkumer Ortskern. Foto: Buschmann

Quer durch Brinkum

Beispiel Verkehr: Wer in früheren Jahren mit dem Auto nach Osnabrück oder nach Syke und weiter nach Diepholz wollte, musste durch Brinkum fahren. Wie das aussah, zeigen die Brinkumer Schmalfilmfreunde in einigen Sequenzen. Immerhin: Irgendwann, so der Kommentar, werden entlang der B6/B51 Parkbuchten geschaffen, damit der Verkehr fließen kann. Übrigens ist das längst nicht alles, was auf der DVD zu sehen ist. Auf jeden Fall hat mir diese Recherche sehr viel Spaß gemacht. Schade eigentlich, dass es die „Brinkum-Schauen“ nicht mehr gibt.

Weil die Gottesdienste wegen Corona ausfallen, suchen Gemeinden nach neuen Wegen

Keine Gottesdienste, keine Gruppentreffen, keine Konzerte – die Coronapandemie hat die Kirchengemeinden kalt erwischt. Größtenteils zumindest. Was also tun, wenn das traditionelle Leben so erst einmal nicht mehr stattfindet? Gut reagieren – mit digitalen Angeboten.

Für evangelisch.de habe ich mich auf die Suche gemacht. Die knapp zweiwöchige Recherche war für mich eine Entdeckungstour der besonderen Art. Umfragen lesen, Powerpoint-Präsentationen auswerten, unzählige Gespräche am Telefon und per Videokonferenz führen – das alles fühlt sich noch immer an wie eine kleine virtuelle Pilgerreise. Dabei ist der Text noch nicht geschrieben.

Beispiel Hannoversche Landeskirche: Auf der Internetseite sind alle digitalen Angebote gesammelt. Fotos: Buschmann

Predigt online“

Aber er hat eine Geschichte, und die beginnt im Sommer 2019. Schon lange blicke ich auf die Digitalisierung in den evangelischen Landeskirchen. Durch eine andere Recherche bin ich im Internet auf das Projekt „Predigt online“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hamburg gestoßen. Auf der Internetseite können Interessierte vorproduzierte Beiträge anklicken. Der Zweck: Menschen erreichen, die nur unregelmäßig oder gar nicht in den Gottesdienst kommen – oder nicht kommen können.

Ich habe die Geschichte in den vergangenen Monaten nicht zu Ende recherchieren können. Deshalb liegt sie auf meinem Schreibtisch ganz unten im Projektstapel. Dann kommt die Coronapandemie mit dem Lockdown. Schneller als gedacht, werden das Thema und somit meine Recherche vom Sommer 2019 wieder interessant – systemrelevant sozusagen.

Digitale Berührungsängste

Allerdings nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf. Denn: In meinem eigenen Umfeld habe ich beobachten können, wie schwer sich Kirchenmenschen mit dem Thema Digitales tun. Die Berührungsängste sind groß, teils aus Unwissenheit, teils aus Bequemlichkeit. „Damit will ich nichts zu tun haben“, sagte ein Gemeindemensch zu mir.

Ich frage mich: Trifft dies wohl auch auf andere Kirchengemeinden zu? Das neue Thema steht: Wie beziehungsweise in welcher Form kommen digitale Medien zum Einsatz? evangelisch.de greift zu. Aber wie an das Thema herangehen? Kirche ist nicht gleich Kirche und Gemeinde nicht gleich Gemeinde.

Kleiner Fragenkatalog

Ich erinnere mich an eine Fortbildung vor drei Jahren über „Recherche und Netzwerkbildung“. Damals sagte unser Referent, Facebook sei wie ein Gemischtwarenladen: „Da findet Ihr alles.“ Diesen Rat beherzige ich und arbeite mich durch die Gruppe „Kirche und Social Media“. Die dortigen Angebote verschaffen mir einen guten Überblick. Über die Posts gelange ich zu diversen Kirchengemeinden, zu Initiativen von Kirchenkreisen und zu den Medien- beziehungsweise Social Media-Beauftragten einzelner Landeskirchen.

Ich nehme per E-Mail Kontakt auf und übermittle einen Katalog mit vier Fragen:

  • Gibt es bei Mitarbeitenden grundsätzlich Berührungsängste, das Digitale zu nutzen? Oder stehen die Mitarbeitenden dem positiv gegenüber?
  • Können Sie mir ein oder zwei positive Beispiele aus Ihrer Landeskirche nennen?
  • Hat sich die Nachfrage nach Hilfe bei der Nutzung digitaler Medien durch die Kontaktbeschränkungen erhöht?
  • Was bleibt für die Zukunft?

Große Gesprächsbereitschaft

Die Ausbeute ist gut, alle sind bereit, mit mir zu sprechen. Nur ein Verantwortlicher kann nicht mit mir sprechen, weil er Urlaub hat. Immerhin beantwortet er mir meine Fragen innerhalb einer Stunde per E-Mail. Zwei angeschriebene Wissenschaftlerinnen antworten gar nicht. Es folgen Interviews per Videokonferenz und Telefon. Durch die Gespräche bekomme ich weitere Kontakte zu Kirchengemeinden.

Mein Gesprächsnetzwerk erstreckt sich von Luckenwalde über Bayern und das Rheinland bis nach Detmold und Oldenburg. Dort, wo ich keinen direkten Kontakt aufnehme, beziehe ich die Informationen der jeweiligen landeskirchlichen Internetauftritte mit ein. Hier liefert unter anderem die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland viel Material. Auch die Hannoversche Landeskirche bietet einen guten Überblick.

Zwei Wochen intensiver Recherche macht einen zwei Zentimeter hohen Stapel Papiere.

Zwei Zentimeter Notizstapel

Mein Notizenstapel wird höher und höher. Inzwischen misst er knapp zwei Zentimeter. In Zeiteinheiten ausgedrückt sind es zwei Wochen Recherche. Die Zeit fürs Sortieren und Schreiben ist darin noch nicht berücksichtigt. Das geschieht erst dann, wenn dieser Blogpost von mir veröffentlicht sein wird. Zwischendurch schaue ich mir das Ergebnis meiner Arbeit immer wieder einmal durch. „Kirche kann ziemlich kreativ sein. Man muss die Leute nur lassen oder sie müssen dazu gezwungen werden“, denke ich so bei mir.

Es gibt eine Reihe von Aktionen, die mir persönlich besonders gut gefallen. Hierzu zählen „Kirche Plus“ der Lippischen Landeskirche und die „Zahnputzandachten“ der Gemeinde Luckenwalde. Warum ich dies schreibe? Die Antwort ist einfach: Das, was die Gemeinden da in den vergangenen zwei Monaten während des Lockdowns auf die Beine gestellt haben, hat mich dazu bewogen, grundsätzlich über das Digitale nachzudenken. Was bringt es mir persönlich? Welche Lehren soll beziehungsweise kann ich speziell aus dieser Recherche mitnehmen?

Was bleibt für die Zukunft?

Und ich finde, es lohnt sich, den Blick in die Zukunft zu richten. Welche Gemeinde erhält ihr digitales Angebot aufrecht? Wo wird dieses vielleicht sogar ausgebaut? Diese Fragen sind durchaus berechtigt, denn schon jetzt hat sich gezeigt, dass die Kirche auf digitalem Weg viel mehr Menschen erreicht als mit dem traditionellen Gottesdienst.

Viele Verantwortliche haben es begriffen. Aber es gibt auch Gemeinden, die zögerlich handeln. Hierzu zählt die St. Katharinengemeinde in Brandenburg an der Havel. Am 3. Mai sagte Pfarrer Jonas Börsel auf Youtube: „Dieses wird vorerst das letzte Video für den Sonntag sein.“ Die Gemeinde dürfe sich unter Auflagen wieder in der Katharinenkirche treffen. Ob das Projekt der Sonntagsandachten fortgeführt werde, soll in den kommenden Wochen ausgewertet werden.

Zur Recherche gehört auch das Lesen von Papieren zum Thema. Fotos: Buschmann

Corona: Arbeiten vom Homeoffice aus ist anders als die Begegnung mit Menschen

Das Homeoffice: Fluch oder Segen? Diese Frage stellen sich angesichts des nun schon seit März 2020 anhaltenden Corona-Lockdowns immer mehr Menschen. Tausende von Arbeitnehmer*innen aller Branchen und aller Sektoren hat es in die heimischen vier Wände verschlagen. Die Medien beziehungsweise die Redaktionen sind davon nicht ausgenommen. Und wir Freien? Tja, wir arbeiten sowieso in der Regel im Homeoffice. Also nichts Neues? Im Grunde nicht. In den vergangenen knapp zwei Monaten hat sich jedoch gezeigt, dass sich etwas verändert hat: Es fehlt der Kontakt zu Menschen, zu Gesprächspartnern. Vieles erledige ich zwar per Telefon oder auch durch Recherchen im Internet. Dennoch gehört zu einem abgerundeten Berufsleben das Gespräch mit Protagonistinnen und Protagonisten dazu.

Höherer Kuschelfaktor muss sein

Verhalten, Ausdruck, Mimik: Dies alles zu ergründen, geht Aug-in-Aug-Gespräch viel besser als am Telefon oder via Webkonferenz mit Kamera. Beim Kontakt zu Menschen ist letztlich doch der Kuschelfaktor viel höher als am Telefon oder über Netz. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ich im Lokalen ausgewählte Serien betreue. Dazu zählt vor allem das Format „Frühstück bei…“ für das Osterholzer Kreisblatt.

Warum meine Serie nicht stattfinden kann

Dass ich nicht in meine Rolle als „Frühstücksdirektor“ schlüpfen kann, wie mich ein Kollege gerne bezeichnet, hat mehrere Gründe:

  • Die in Niedersachsen und Bremen gültigen Allgemeinverfügungen untersagen es, Menschen in ihrem privaten Umfeld aufzusuchen. Zwar ist das Frühstück Arbeit und somit im Sinne der Allgemeinverfügung aufgehoben. Trotzdem verzichte ich darauf, um nicht die Familie meines jeweiligen Protagonisten und mich selbst gesundheitlich zu gefährden.
  • Wenn ich mit Menschen frühstücke, ist es möglich, dass wir den gebotenen Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern nicht einhalten können. Dies habe ich im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahre, die ich diese Serie inzwischen betreue, erlebt: Zwischen mir und meinem Gesprächspartner betrug der Abstand knapp einen Meter.
  • Und dann ist da noch die Sache mit dem Foto: Der „Frühstücksdirektor“ bringt zum Termin nämlich stets eine Kollegin oder einen Kollegen der Abteilung Bildjournalist*in mit. Schließlich sollen die Fotos sozusagen aus dem prallen (Frühstücks-) Leben heraus entstehen.

Bei schönem Wetter findet das Homeoffice auf der Terrasse statt.

Wie geht es nach dem Lockdown weiter?

Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Geplant ist laut Absprache der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, ab diesem Monat vorsichtig zu einem normalen Leben zurückzukehren. Soll heißen: Einige Maßnahmen des Lockdowns werden gelockert. Dies könnte mit viel Glück auch für die Medienredaktionen gelten. Dann werde ich ebenso versuchen, meine Frühstücksreihe wieder aufzunehmen. Natürlich mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen.

Sollte dies nicht der Fall sein, bleibt mir wohl nichts anderes übrig als mich wie Tausende anderer Menschen auch in Geduld zu üben. Parallel dazu arbeite ich an anderen Geschichten. Die Idee eines Online-Frühstücks jedoch verfolgen wir erst einmal nicht weiter. Dies, so die Auffassung der Redaktionsleitung, kommt zu spät. Begründung: Zu Beginn des Lockdowns hätte es gut gepasst.

Von Covid19 haben wir noch lange etwas

Nun denn. Also mache ich mich zusätzlich auf die Suche nach anderen journalistischen Serien und Formaten. Eine ist übrigens schon angelaufen: „Ulf unkt“. In meiner Kolumne spieße ich für den „Nordanschlag“ das Alltagsleben in Bremen-Nord und umzu auf. In Ausgabe 1 geht es – wie sollte es anders sein – um den 1. Mai, den „Tag der Arbeit“.

Denn eines steht fest: Vielleicht werden wir in einigen Monaten den Lockdown etwas gelockert haben. Doch mit dem Virus werden wir noch einige Jahre leben müssen. Aber das habe ich ja schon aufgeschrieben.

Landwirtschaft ist im Lokalen trotz aller Diskussionen ein Thema

Artgerechte Tierhaltung geht auch ohne das Bio-Siegel. Foto: Buschmann

Zugegeben, die Weihnachten 2019 ist schon wieder ein bisschen hin. Aber die Reportage, die ich für die Rotenburger Kreiszeitung geliefert habe, war eine für die Vorweihnachtszeit. Und: Sie hat für das kommende Jahr durchaus Bedeutung, geht es doch um den Umgang von uns Journalisten mit den Landwirten.

Nun muss der geneigte Leser dieser Zeilen wissen, dass die Rotenburger Kreiszeitung für ihre Berichterstattung die „Goldene Mistgabel“ der Landwirte bekommen hat. Ich wollte einmal wissen: Gibt es eigentlich Landwirte, die unser aller Weihnachtsbraten vor Ort produzieren. Ergebnis: Die gibt es. Die Tiere dort werden zwar nicht gleich hardcore-ökologisch groß, aber artgerecht.

Return of Invest

In knapp drei Stunden auf dem Hof von Anke und Günter Lütjens in Hemslingen habe ich einige Dinge gelernt; so zum Beispiel, dass es in Sachen Landwirtschaft kein Schwarz und kein Weiß gibt. Anders ausgedrückt: Die konventionellen Betriebe sind nicht die Bösen und die Biobauern automatisch die Guten. Hinzu kommt, dass ein Landwirt im Deutschland und der EU heute genau kalkulieren muss. Landwirtschaft hat genauso mit Kalkulation, Investition und Return of Invest zu tun, wie das Produzierende Gewerbe.

Landwirtschaft vor der Haustür

Dass Tierwohl und konventionelle Landwirtschaft kein Widerspruch sind, war für mich am Ende der Recherche klar. Dies alles steht für mich in gewissem Sinne in krassem Gegensatz zu dem, was in der öffentlichen Diskussion hier und da kolportiert wird. Ich schließe daraus, dass wir alle genauer hinschauen sollten – geht es doch um die Sicherung unserer Lebensgrundlagen. Hier haben wir Lokaljournalisten eine besondere Aufgabe. Schließlich findet Landwirtschaft quasi vor unserer Haustür statt.

Aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass wir Lokaljournalisten eben keine ausgewiesenen Fachleute sind. Deshalb müssen wir uns (fort-) bilden. Aber Vorsicht, hier und da kommt es vor, dass der Grundsatz des Heranziehens mehrerer Quellen verletzt wird – frei nach dem Motto „Ruf doch mal beim Landvolk an und lass Dir das erklären“. So sollte es eigentlich nicht sein, aber die Kolleginnen und Kollegen stehen in der Regel unter solch einem Arbeitsdruck, dass ihnen meistens keine andere Möglichkeit bleibt.

Seiten füllen, Inhalte liefern

Leider ist es gerade in den Lokalredaktionen auf dem Land noch immer Normalität, dass die Kolleginnen und Kolleginnen gezwungen sind, eine bestimmte Anzahl von Beiträgen täglich zu schaffen. Die Herren über die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen erwarten entsprechenden Output. Dass hierzu auch eine gründliche Recherche notwendig ist, wird oftmals verkannt oder wissentlich ignoriert.

Im gleichen Boot

Vor diesem Hintergrund mutet es schon als eine gewissen Ironie an, dass Lokaljournalisten auf der einen und Landwirte auf der anderen Seite im übertragenen Sinne im gleichen Boot sitzen: Beide müssen sich immer wieder fragen lassen, warum denn ihre Produkte genau diesen Preis haben. Dass dahinter Arbeit steckt, verstehen viele Leute nicht. Sie möchten einerseits günstige Lebensmittel, aber auch keine Tiere aus Massenhaltung. Dass die Preise nur über Masse niedrig gehalten werden können, lernt jede Kauffrau beziehungsweise jeder Kaufmann während der Ausbildung. Insofern passt die Überschrift des Beitrags: „Qualität hat ihren Preis“.

Über uns Freie

Diese Aussage trifft auf der Medienseite noch mehr auf uns Freie zu. Wie ich in einem früheren Beitrag schon einmal beschrieben habe, zahlen die Medienhäuser üblicherweise Centbeträge je Zeile. Die Herren der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen machen da keinen Unterschied, ob es sich um Schüler, pensionierte Lehrer oder Vereinsvorsitzende handelt, die nebenbei ein bisschen schreiben, handelt oder um freie Journalisten, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen.

Bilder aus meinem Stadtteil

#heimatgucken – ich erlaube mir auch mal, einen Hashtag zu kreieren. Im Prinzip aber bedeutet dies nicht anderes als zu zeigen, woher ich komme. Da ich immer wieder gefragt werde, was denn an Bremen-Nord beziehungsweise Vegesack das Besondere sei, habe ich den letzten Tag des kalendarischen Sommers 2019 genutzt, um Impressionen einzufangen. Denn: So sehe ich meinen Stadtteil, er hat mich geprägt. Und natürlich meine Arbeit als Journalist.

Über die Umweg-Inspiration eines Hashtags

#handwerkshübsch. Hä? Können Sie sich darunter etwas vorstellen? Ich konnte es bis vor etwa einer Woche jedenfalls nicht – also bis Mitte September 2019. Macht eigentlich nichts, denn genau genommen gibt es diesen Hashtag nicht wesentlich länger. Dafür hat #handwerkshübsch bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. #handwerkshübsch hat mich zu einer Lokalgeschichte inspiriert. Die allerdings gilt es in den kommenden Wochen noch zu recherchieren und zu schreiben. Dies ist die Geschichte hinter #handwerkshübsch.

In Zeiten von Social Media sind digitale Netzwerke für uns Journalisten wichtig. Ich für meinen Teil verbringe deshalb einen guten Teil meiner Zeit damit, mich auf Facebook, Instagram und Twitter umzuschauen. Denn dort tummeln sich viele Menschen, die meiner Arbeit vielfältigen Input geben. Auf Facebook und Instagram folge ich unter anderem der Kollegin Anuschka Bačić. Sie ist „seit 2012 als Videojournalistin, Moderatorin und Videogestalterin tätig“, schreibt sie auf ihrer Webseite.

Vize-Freitag“

Die Kollegin präsentiert seit Anfang August jeden Donnerstag auf Facebook einen Videoblog, einen Vlog, den „Vize-Freitag“. Es gibt Geschichten mitten aus dem Leben, aber eben auch Berufliches. Und da Anuschka Bačić derzeit allwöchentlich für die Handwerkskammern der Region unterwegs ist, um Imagefilme über Handwerksbertriebe zu drehen, widmet sie sich eben auch diesem Teil ihrer Arbeit. Logisch!

Wir schreiben mittlerweile Anfang September. Stolz wie Bolle erzählt Anuschka Bačić, was ihr widerfahren ist: Michael Hoffschroer lobt in seinem Post auf www.handwerksmacher.de die Arbeit von Anuschka Bačić. Das macht mich neugierig. Der „Vize-Freitag“ gehört seitdem zum festen Donnerstagabend-Programm.

Es machte „Klick!“

Gestern, am 19. September, machte es „Klick!“: Ich dachte über Themen für den Oktober nach, denn ich bin drei Wochen lang für die Mediengruppe Kreiszeitung unterwegs. Da zu diesem Zeitpunkt in Bremen und Niedersachsen Herbstferien sind, macht es nämlich Sinn, sich schon einmal ein paar Gedanken über Themen zu machen.

#handwerkshübsch und die Vlogs haben mich zu einem Thema geführt: Ich möchte Unternehmen vorstellen, die sich frisch in den sozialen Netzwerken präsentieren. Damit versuchen die vornehmlich mittelständischen Betriebe, dem allgegenwärtigen Nachwuchsmangel zu begegnen. Ein Telefonat mit der Kollegen bringt mich weiter: Anuschka Bačić nennt mir ein paar Firmen, um die ich mich in den kommenden Wochen kümmern werde. So geht Lokaljournalismus auch.