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Kirche goes digital

Weil die Gottesdienste wegen Corona ausfallen, suchen Gemeinden nach neuen Wegen

Keine Gottesdienste, keine Gruppentreffen, keine Konzerte – die Coronapandemie hat die Kirchengemeinden kalt erwischt. Größtenteils zumindest. Was also tun, wenn das traditionelle Leben so erst einmal nicht mehr stattfindet? Gut reagieren – mit digitalen Angeboten.

Für evangelisch.de habe ich mich auf die Suche gemacht. Die knapp zweiwöchige Recherche war für mich eine Entdeckungstour der besonderen Art. Umfragen lesen, Powerpoint-Präsentationen auswerten, unzählige Gespräche am Telefon und per Videokonferenz führen – das alles fühlt sich noch immer an wie eine kleine virtuelle Pilgerreise. Dabei ist der Text noch nicht geschrieben.

Beispiel Hannoversche Landeskirche: Auf der Internetseite sind alle digitalen Angebote gesammelt. Fotos: Buschmann

Predigt online“

Aber er hat eine Geschichte, und die beginnt im Sommer 2019. Schon lange blicke ich auf die Digitalisierung in den evangelischen Landeskirchen. Durch eine andere Recherche bin ich im Internet auf das Projekt „Predigt online“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hamburg gestoßen. Auf der Internetseite können Interessierte vorproduzierte Beiträge anklicken. Der Zweck: Menschen erreichen, die nur unregelmäßig oder gar nicht in den Gottesdienst kommen – oder nicht kommen können.

Ich habe die Geschichte in den vergangenen Monaten nicht zu Ende recherchieren können. Deshalb liegt sie auf meinem Schreibtisch ganz unten im Projektstapel. Dann kommt die Coronapandemie mit dem Lockdown. Schneller als gedacht, werden das Thema und somit meine Recherche vom Sommer 2019 wieder interessant – systemrelevant sozusagen.

Digitale Berührungsängste

Allerdings nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf. Denn: In meinem eigenen Umfeld habe ich beobachten können, wie schwer sich Kirchenmenschen mit dem Thema Digitales tun. Die Berührungsängste sind groß, teils aus Unwissenheit, teils aus Bequemlichkeit. „Damit will ich nichts zu tun haben“, sagte ein Gemeindemensch zu mir.

Ich frage mich: Trifft dies wohl auch auf andere Kirchengemeinden zu? Das neue Thema steht: Wie beziehungsweise in welcher Form kommen digitale Medien zum Einsatz? evangelisch.de greift zu. Aber wie an das Thema herangehen? Kirche ist nicht gleich Kirche und Gemeinde nicht gleich Gemeinde.

Kleiner Fragenkatalog

Ich erinnere mich an eine Fortbildung vor drei Jahren über „Recherche und Netzwerkbildung“. Damals sagte unser Referent, Facebook sei wie ein Gemischtwarenladen: „Da findet Ihr alles.“ Diesen Rat beherzige ich und arbeite mich durch die Gruppe „Kirche und Social Media“. Die dortigen Angebote verschaffen mir einen guten Überblick. Über die Posts gelange ich zu diversen Kirchengemeinden, zu Initiativen von Kirchenkreisen und zu den Medien- beziehungsweise Social Media-Beauftragten einzelner Landeskirchen.

Ich nehme per E-Mail Kontakt auf und übermittle einen Katalog mit vier Fragen:

  • Gibt es bei Mitarbeitenden grundsätzlich Berührungsängste, das Digitale zu nutzen? Oder stehen die Mitarbeitenden dem positiv gegenüber?
  • Können Sie mir ein oder zwei positive Beispiele aus Ihrer Landeskirche nennen?
  • Hat sich die Nachfrage nach Hilfe bei der Nutzung digitaler Medien durch die Kontaktbeschränkungen erhöht?
  • Was bleibt für die Zukunft?

Große Gesprächsbereitschaft

Die Ausbeute ist gut, alle sind bereit, mit mir zu sprechen. Nur ein Verantwortlicher kann nicht mit mir sprechen, weil er Urlaub hat. Immerhin beantwortet er mir meine Fragen innerhalb einer Stunde per E-Mail. Zwei angeschriebene Wissenschaftlerinnen antworten gar nicht. Es folgen Interviews per Videokonferenz und Telefon. Durch die Gespräche bekomme ich weitere Kontakte zu Kirchengemeinden.

Mein Gesprächsnetzwerk erstreckt sich von Luckenwalde über Bayern und das Rheinland bis nach Detmold und Oldenburg. Dort, wo ich keinen direkten Kontakt aufnehme, beziehe ich die Informationen der jeweiligen landeskirchlichen Internetauftritte mit ein. Hier liefert unter anderem die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland viel Material. Auch die Hannoversche Landeskirche bietet einen guten Überblick.

Zwei Wochen intensiver Recherche macht einen zwei Zentimeter hohen Stapel Papiere.

Zwei Zentimeter Notizstapel

Mein Notizenstapel wird höher und höher. Inzwischen misst er knapp zwei Zentimeter. In Zeiteinheiten ausgedrückt sind es zwei Wochen Recherche. Die Zeit fürs Sortieren und Schreiben ist darin noch nicht berücksichtigt. Das geschieht erst dann, wenn dieser Blogpost von mir veröffentlicht sein wird. Zwischendurch schaue ich mir das Ergebnis meiner Arbeit immer wieder einmal durch. „Kirche kann ziemlich kreativ sein. Man muss die Leute nur lassen oder sie müssen dazu gezwungen werden“, denke ich so bei mir.

Es gibt eine Reihe von Aktionen, die mir persönlich besonders gut gefallen. Hierzu zählen „Kirche Plus“ der Lippischen Landeskirche und die „Zahnputzandachten“ der Gemeinde Luckenwalde. Warum ich dies schreibe? Die Antwort ist einfach: Das, was die Gemeinden da in den vergangenen zwei Monaten während des Lockdowns auf die Beine gestellt haben, hat mich dazu bewogen, grundsätzlich über das Digitale nachzudenken. Was bringt es mir persönlich? Welche Lehren soll beziehungsweise kann ich speziell aus dieser Recherche mitnehmen?

Was bleibt für die Zukunft?

Und ich finde, es lohnt sich, den Blick in die Zukunft zu richten. Welche Gemeinde erhält ihr digitales Angebot aufrecht? Wo wird dieses vielleicht sogar ausgebaut? Diese Fragen sind durchaus berechtigt, denn schon jetzt hat sich gezeigt, dass die Kirche auf digitalem Weg viel mehr Menschen erreicht als mit dem traditionellen Gottesdienst.

Viele Verantwortliche haben es begriffen. Aber es gibt auch Gemeinden, die zögerlich handeln. Hierzu zählt die St. Katharinengemeinde in Brandenburg an der Havel. Am 3. Mai sagte Pfarrer Jonas Börsel auf Youtube: „Dieses wird vorerst das letzte Video für den Sonntag sein.“ Die Gemeinde dürfe sich unter Auflagen wieder in der Katharinenkirche treffen. Ob das Projekt der Sonntagsandachten fortgeführt werde, soll in den kommenden Wochen ausgewertet werden.

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…dann eben übers Netz

Zur Recherche gehört auch das Lesen von Papieren zum Thema. Fotos: Buschmann

Corona: Arbeiten vom Homeoffice aus ist anders als die Begegnung mit Menschen

Das Homeoffice: Fluch oder Segen? Diese Frage stellen sich angesichts des nun schon seit März 2020 anhaltenden Corona-Lockdowns immer mehr Menschen. Tausende von Arbeitnehmer*innen aller Branchen und aller Sektoren hat es in die heimischen vier Wände verschlagen. Die Medien beziehungsweise die Redaktionen sind davon nicht ausgenommen. Und wir Freien? Tja, wir arbeiten sowieso in der Regel im Homeoffice. Also nichts Neues? Im Grunde nicht. In den vergangenen knapp zwei Monaten hat sich jedoch gezeigt, dass sich etwas verändert hat: Es fehlt der Kontakt zu Menschen, zu Gesprächspartnern. Vieles erledige ich zwar per Telefon oder auch durch Recherchen im Internet. Dennoch gehört zu einem abgerundeten Berufsleben das Gespräch mit Protagonistinnen und Protagonisten dazu.

Höherer Kuschelfaktor muss sein

Verhalten, Ausdruck, Mimik: Dies alles zu ergründen, geht Aug-in-Aug-Gespräch viel besser als am Telefon oder via Webkonferenz mit Kamera. Beim Kontakt zu Menschen ist letztlich doch der Kuschelfaktor viel höher als am Telefon oder über Netz. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ich im Lokalen ausgewählte Serien betreue. Dazu zählt vor allem das Format „Frühstück bei…“ für das Osterholzer Kreisblatt.

Warum meine Serie nicht stattfinden kann

Dass ich nicht in meine Rolle als „Frühstücksdirektor“ schlüpfen kann, wie mich ein Kollege gerne bezeichnet, hat mehrere Gründe:

  • Die in Niedersachsen und Bremen gültigen Allgemeinverfügungen untersagen es, Menschen in ihrem privaten Umfeld aufzusuchen. Zwar ist das Frühstück Arbeit und somit im Sinne der Allgemeinverfügung aufgehoben. Trotzdem verzichte ich darauf, um nicht die Familie meines jeweiligen Protagonisten und mich selbst gesundheitlich zu gefährden.
  • Wenn ich mit Menschen frühstücke, ist es möglich, dass wir den gebotenen Mindestabstand von eineinhalb bis zwei Metern nicht einhalten können. Dies habe ich im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahre, die ich diese Serie inzwischen betreue, erlebt: Zwischen mir und meinem Gesprächspartner betrug der Abstand knapp einen Meter.
  • Und dann ist da noch die Sache mit dem Foto: Der „Frühstücksdirektor“ bringt zum Termin nämlich stets eine Kollegin oder einen Kollegen der Abteilung Bildjournalist*in mit. Schließlich sollen die Fotos sozusagen aus dem prallen (Frühstücks-) Leben heraus entstehen.

Bei schönem Wetter findet das Homeoffice auf der Terrasse statt.

Wie geht es nach dem Lockdown weiter?

Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Geplant ist laut Absprache der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, ab diesem Monat vorsichtig zu einem normalen Leben zurückzukehren. Soll heißen: Einige Maßnahmen des Lockdowns werden gelockert. Dies könnte mit viel Glück auch für die Medienredaktionen gelten. Dann werde ich ebenso versuchen, meine Frühstücksreihe wieder aufzunehmen. Natürlich mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen.

Sollte dies nicht der Fall sein, bleibt mir wohl nichts anderes übrig als mich wie Tausende anderer Menschen auch in Geduld zu üben. Parallel dazu arbeite ich an anderen Geschichten. Die Idee eines Online-Frühstücks jedoch verfolgen wir erst einmal nicht weiter. Dies, so die Auffassung der Redaktionsleitung, kommt zu spät. Begründung: Zu Beginn des Lockdowns hätte es gut gepasst.

Von Covid19 haben wir noch lange etwas

Nun denn. Also mache ich mich zusätzlich auf die Suche nach anderen journalistischen Serien und Formaten. Eine ist übrigens schon angelaufen: „Ulf unkt“. In meiner Kolumne spieße ich für den „Nordanschlag“ das Alltagsleben in Bremen-Nord und umzu auf. In Ausgabe 1 geht es – wie sollte es anders sein – um den 1. Mai, den „Tag der Arbeit“.

Denn eines steht fest: Vielleicht werden wir in einigen Monaten den Lockdown etwas gelockert haben. Doch mit dem Virus werden wir noch einige Jahre leben müssen. Aber das habe ich ja schon aufgeschrieben.

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Das Déjà-vu

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In einem Boot

Landwirtschaft ist im Lokalen trotz aller Diskussionen ein Thema

Artgerechte Tierhaltung geht auch ohne das Bio-Siegel. Foto: Buschmann

Zugegeben, die Weihnachten 2019 ist schon wieder ein bisschen hin. Aber die Reportage, die ich für die Rotenburger Kreiszeitung geliefert habe, war eine für die Vorweihnachtszeit. Und: Sie hat für das kommende Jahr durchaus Bedeutung, geht es doch um den Umgang von uns Journalisten mit den Landwirten.

Nun muss der geneigte Leser dieser Zeilen wissen, dass die Rotenburger Kreiszeitung für ihre Berichterstattung die „Goldene Mistgabel“ der Landwirte bekommen hat. Ich wollte einmal wissen: Gibt es eigentlich Landwirte, die unser aller Weihnachtsbraten vor Ort produzieren. Ergebnis: Die gibt es. Die Tiere dort werden zwar nicht gleich hardcore-ökologisch groß, aber artgerecht.

Return of Invest

In knapp drei Stunden auf dem Hof von Anke und Günter Lütjens in Hemslingen habe ich einige Dinge gelernt; so zum Beispiel, dass es in Sachen Landwirtschaft kein Schwarz und kein Weiß gibt. Anders ausgedrückt: Die konventionellen Betriebe sind nicht die Bösen und die Biobauern automatisch die Guten. Hinzu kommt, dass ein Landwirt im Deutschland und der EU heute genau kalkulieren muss. Landwirtschaft hat genauso mit Kalkulation, Investition und Return of Invest zu tun, wie das Produzierende Gewerbe.

Landwirtschaft vor der Haustür

Dass Tierwohl und konventionelle Landwirtschaft kein Widerspruch sind, war für mich am Ende der Recherche klar. Dies alles steht für mich in gewissem Sinne in krassem Gegensatz zu dem, was in der öffentlichen Diskussion hier und da kolportiert wird. Ich schließe daraus, dass wir alle genauer hinschauen sollten – geht es doch um die Sicherung unserer Lebensgrundlagen. Hier haben wir Lokaljournalisten eine besondere Aufgabe. Schließlich findet Landwirtschaft quasi vor unserer Haustür statt.

Aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass wir Lokaljournalisten eben keine ausgewiesenen Fachleute sind. Deshalb müssen wir uns (fort-) bilden. Aber Vorsicht, hier und da kommt es vor, dass der Grundsatz des Heranziehens mehrerer Quellen verletzt wird – frei nach dem Motto „Ruf doch mal beim Landvolk an und lass Dir das erklären“. So sollte es eigentlich nicht sein, aber die Kolleginnen und Kollegen stehen in der Regel unter solch einem Arbeitsdruck, dass ihnen meistens keine andere Möglichkeit bleibt.

Seiten füllen, Inhalte liefern

Leider ist es gerade in den Lokalredaktionen auf dem Land noch immer Normalität, dass die Kolleginnen und Kolleginnen gezwungen sind, eine bestimmte Anzahl von Beiträgen täglich zu schaffen. Die Herren über die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen erwarten entsprechenden Output. Dass hierzu auch eine gründliche Recherche notwendig ist, wird oftmals verkannt oder wissentlich ignoriert.

Im gleichen Boot

Vor diesem Hintergrund mutet es schon als eine gewissen Ironie an, dass Lokaljournalisten auf der einen und Landwirte auf der anderen Seite im übertragenen Sinne im gleichen Boot sitzen: Beide müssen sich immer wieder fragen lassen, warum denn ihre Produkte genau diesen Preis haben. Dass dahinter Arbeit steckt, verstehen viele Leute nicht. Sie möchten einerseits günstige Lebensmittel, aber auch keine Tiere aus Massenhaltung. Dass die Preise nur über Masse niedrig gehalten werden können, lernt jede Kauffrau beziehungsweise jeder Kaufmann während der Ausbildung. Insofern passt die Überschrift des Beitrags: „Qualität hat ihren Preis“.

Über uns Freie

Diese Aussage trifft auf der Medienseite noch mehr auf uns Freie zu. Wie ich in einem früheren Beitrag schon einmal beschrieben habe, zahlen die Medienhäuser üblicherweise Centbeträge je Zeile. Die Herren der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen machen da keinen Unterschied, ob es sich um Schüler, pensionierte Lehrer oder Vereinsvorsitzende handelt, die nebenbei ein bisschen schreiben, handelt oder um freie Journalisten, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen.

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Impressionen aus Vegesack

Bilder aus meinem Stadtteil

#heimatgucken – ich erlaube mir auch mal, einen Hashtag zu kreieren. Im Prinzip aber bedeutet dies nicht anderes als zu zeigen, woher ich komme. Da ich immer wieder gefragt werde, was denn an Bremen-Nord beziehungsweise Vegesack das Besondere sei, habe ich den letzten Tag des kalendarischen Sommers 2019 genutzt, um Impressionen einzufangen. Denn: So sehe ich meinen Stadtteil, er hat mich geprägt. Und natürlich meine Arbeit als Journalist.

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#handwerkshübsch

Über die Umweg-Inspiration eines Hashtags

#handwerkshübsch. Hä? Können Sie sich darunter etwas vorstellen? Ich konnte es bis vor etwa einer Woche jedenfalls nicht – also bis Mitte September 2019. Macht eigentlich nichts, denn genau genommen gibt es diesen Hashtag nicht wesentlich länger. Dafür hat #handwerkshübsch bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. #handwerkshübsch hat mich zu einer Lokalgeschichte inspiriert. Die allerdings gilt es in den kommenden Wochen noch zu recherchieren und zu schreiben. Dies ist die Geschichte hinter #handwerkshübsch.

In Zeiten von Social Media sind digitale Netzwerke für uns Journalisten wichtig. Ich für meinen Teil verbringe deshalb einen guten Teil meiner Zeit damit, mich auf Facebook, Instagram und Twitter umzuschauen. Denn dort tummeln sich viele Menschen, die meiner Arbeit vielfältigen Input geben. Auf Facebook und Instagram folge ich unter anderem der Kollegin Anuschka Bačić. Sie ist „seit 2012 als Videojournalistin, Moderatorin und Videogestalterin tätig“, schreibt sie auf ihrer Webseite.

Vize-Freitag“

Die Kollegin präsentiert seit Anfang August jeden Donnerstag auf Facebook einen Videoblog, einen Vlog, den „Vize-Freitag“. Es gibt Geschichten mitten aus dem Leben, aber eben auch Berufliches. Und da Anuschka Bačić derzeit allwöchentlich für die Handwerkskammern der Region unterwegs ist, um Imagefilme über Handwerksbertriebe zu drehen, widmet sie sich eben auch diesem Teil ihrer Arbeit. Logisch!

Wir schreiben mittlerweile Anfang September. Stolz wie Bolle erzählt Anuschka Bačić, was ihr widerfahren ist: Michael Hoffschroer lobt in seinem Post auf www.handwerksmacher.de die Arbeit von Anuschka Bačić. Das macht mich neugierig. Der „Vize-Freitag“ gehört seitdem zum festen Donnerstagabend-Programm.

Es machte „Klick!“

Gestern, am 19. September, machte es „Klick!“: Ich dachte über Themen für den Oktober nach, denn ich bin drei Wochen lang für die Mediengruppe Kreiszeitung unterwegs. Da zu diesem Zeitpunkt in Bremen und Niedersachsen Herbstferien sind, macht es nämlich Sinn, sich schon einmal ein paar Gedanken über Themen zu machen.

#handwerkshübsch und die Vlogs haben mich zu einem Thema geführt: Ich möchte Unternehmen vorstellen, die sich frisch in den sozialen Netzwerken präsentieren. Damit versuchen die vornehmlich mittelständischen Betriebe, dem allgegenwärtigen Nachwuchsmangel zu begegnen. Ein Telefonat mit der Kollegen bringt mich weiter: Anuschka Bačić nennt mir ein paar Firmen, um die ich mich in den kommenden Wochen kümmern werde. So geht Lokaljournalismus auch.

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Dem Verfall preisgegeben

Andreas Bovenschulte soll neuer Bremer Bürgermeister werden und die SPD aus dem Tief führen. Foto: Buschmann

Ein Blick auf den Zustand der SPD im Bund und in Bremen

Wo soll ich diesen Beitrag einsortieren? Erst wollte ich ihn unter Kommunalpolitik zuordnen. Doch dann habe ich mich dafür entschieden, die Rubrik Allgemeines zu nehmen, denn dieser Beitrag hat nicht ausschließlich kommunalpolitische Aspekte. Es geht um ein Thema, das mich seit Wochen umtreibt: um den Zustand der SPD. Wie schlecht es um sie bestellt ist, erlebe ich als Journalist auf allen Ebenen.

In diesem Fall betrifft es mich hingegen nicht nur als Medienmensch, ich bin mit einer erzwungenen Unterbrechung von etwa zwei Jahren seit 1985 Mitglied dieser Partei. Doch hineingewachsen in diesen Organismus bin ich schon von meiner Kindheit an. Mein Vater war Sozialdemokrat, Tanten und Onkel auch. Die Ideen und Werte der mehr als 150 Jahre alten Partei sind praktisch ein Stück meiner DNA mit all ihren guten Ideen, Widersprüchen und Brüchen.

Das Quietschen in der Seele

Was ich verstärkt seit der Bundestagswahl 2017 beobachte, tut mir weh. Oder wie ein alte Freundin einst meinte: „Es tut mir in der Seele quietschen.“ Ich sehe eine Partei, die den Kontakt zu den Menschen verloren hat. Vor allem ihre Kernwählerschaft erreicht sie nicht mehr. Welcher Facharbeiter, welcher Underdog wählt denn heute noch SPD? Die Ergebnisse der vergangenen Urnengänge im Bund, in Bremen und Europa sprechen Bände.

Und dann sehe ich Funktionäre, die viel mehr mit sich selbst beschäftigt sind als alles andere. Den Zustand hat beim letzten Bremer Landesparteitag am 6. Juli ein Mitglied gut beschrieben: „Wir gucken in den Abgrund.“ Ich gehe noch ein Stück weiter und bemühe das pathologische Bild: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist dem Verfall preisgegeben. Politikwissenschaftler sprechen längst davon, dass sie auf dem Weg zur Splitterpartei ist. Wie das aussieht, lässt sich sehr gut an den Umfragewerten in Sachsen ablesen. Dort ist die SPD längst einstellig. Die Vorstellung, dass sich die Partei in Wohlgefallen auflöst, tut mir innerlich weh.

Ursachen!?

Dass sich die SPD in den vergangenen Jahren nach unten gerockt hat, hat vielfältige Ursachen. Es geht um das Personal, um fehlende Antworten auf aktuelle gesellschaftliche, soziale und ökonomische Fragen und letztlich um die Unfähigkeit, die eigenen Inhalte zu vermitteln.

Januar 2017: Der damalige Parteivorsitzende Sigmar Gabriel kündigt an, nicht für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen zu gehen. Stattdessen zaubert er Martin Schulz, den damaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, aus dem Hut. Der soll das Kanzleramt von der CDU erobern. Obwohl das Verfahren aus meiner Sicht alles andere als konform mit der Parteisatzung ist, wird Martin Schulz nicht nur Kanzlerkandidat, sondern auch Parteivorsitzender – mit 100-prozentiger Zustimmung der Bundesparteitags-Delegierten.

Der „Schulz-Zug“, wie es die Kommunikationsstrategen nennen, nimmt Fahrt auf, wird jedoch von der eigenen Führungsriege brutal ausgebremst. Von Hannelore Kraft zum Beispiel. Sie ist zu diesem Zeitpunkt noch Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Martin Schulz, so weiß man heute, solle sich aus ihrem Wahlkampf mal schön heraushalten, gab sie ihm auf. Das Ergebnis ist bekannt: Frau Kraft verlor die Wahl krachend und hat sich danach aus der Politik zurückgezogen.

Doppelte Nulllösung Nahles

Aber das ist nicht der einzige Fehler der SPD-Führungsriege. Martin Schulz verliert am Ende die Bundestagswahl und wirft nach einem Jahr als Vorsitzender das Handtuch. Dann kommt Andrea Nahles. Sie war in der Großen Koalition von 2013 bis 2017 zwar eine Bundesarbeitsministerin mit einer glücklichen Hand, doch als Parteivorsitzende und Chefin der SPD-Bundestagsfraktion ist sie ein Totalausfall. Eine doppelte Nulllösung sozusagen. Ihre Gesangeinlagen im Bundestag und ihr Auftritt beim Wahlkampffinale für Bremen und Europa sind inzwischen legendär.

Nicht viel besser sieht es personell in Bremen aus. Carsten Sieling ist ein Bürgermeister, der im Großen und Ganzen einen guten Job gemacht hat. Er hat Ahnung und ist empathisch. Versammlungen mit ihm sind sogar richtig lustig. Doch die Außendarstellung ist grottenschlecht. Die Schuld liegt nicht beim Ex-Bürgermeister, sondern bei den für die Kommunikation zuständigen Menschen im Rathaus und der SPD-Landesorganisation.

Stummer Landesvorstand

Die Partei wird laut Satzung von einem Landesvorstand geführt. Doch de facto ist es der Landesgeschäftsführer, der allem Anschein nach schalten und walten kann wie er möchte. Niemand, weder die aktuelle Landesvorsitzende Sascha Karolin Aulepp, noch die zuständige Schatzmeisterin noch sonst irgendjemand scheinen gewillt, ihm auf die Finger zu schauen. Und politisch ist der Landesvorstand letztlich nichts weiter als der verlängerte Arm von Rathaus und Fraktion. Eigene Akzente setzt diese Führungsriege schon lange nicht mehr. Diese Apathie zieht sich durch bis in die Ortsvereine. Mobilisierung und den Menschen in den Quartieren zugewandte Aktivitäten gibt es fast nicht.

Das Narrativ der sozialen Gerechtigkeit

Wohl 80 Prozent der Zuhörer, die die SPD erreichen möchte, schalten inzwischen auf Durchzug, wenn es wieder einmal darum geht, soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Dieses Narrativ haben die Führungsfiguren in Bund und Land ausgetreten. Es ist ausgelutscht! Ein anderes Thema, nein, das gibt es nicht. Martin Schulz hat es mit seiner Forderung nach Respekt versucht und ist grandios gescheitert. Dabei liegen die anderen Fragen der Zeit praktisch vor den Füßen der Sozialdemokratie: Digitalisierung, die Stadt der Zukunft, demografischer Wandel, Veränderungen der Konfliktlinien in der Politik. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Dass sich die Menschen bei den größtenteils akademisch geführten Diskussionen nicht mehr abgeholt fühlen, ist da kein Wunder. Eben jenes muss geschehen, damit die die Tante SPD wieder auf die Füße kommt.

Aber es sind nicht nur die Themen, mit denen sich die Partei schwer tut. Es ist auch die Vermittlung ihrer Inhalte. Das beste Beispiel für den Griff ins Klo ist die Kampagne der Bremer SPD zur Bürgerschaftswahl. „Wir lieben Bremen“ ist aus kommunikationstechnischer Sichtweise so aussagekräftig wie ein trockenes Stück Brot mit ranziger Butter darauf. Eine Kollegin brachte es vor einiger Zeit auf den Punkt: Der SPD-Claim erinnere sie an Edeka. Dort heißt es „Wir lieben Lebensmittel“. Das blasse Blau der Kampagne erinnert mich zudem an eine Slipeinlage – oder an den Himmel, in den die Partei bald aufsteigt, wenn sie tot ist.

Es gibt Hoffnung

Wie geht es weiter? Ich blicke dabei auf eine Zeile der polnischen Nationalhymne. „Noch ist Polen nicht verloren“, heißt es dort. Analog zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie muss es also heißen: „Noch ist die SPD nicht verloren.“ Um sich selbst wieder Leben einzuhauchen, sollte sich die Partei zuerst auf ihre alten Stärken besinnen. Das ist das Kommunale. Nicht umsonst holen SPD Kandidaten selbst in CDU-dominierten Regionen bei Kommunalwahlen Bürgermeisterposten und Ratsmehrheiten.

Bremens designierter Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat es beim Landesparteitag auf den Punkt gebracht: „Die letzten fünf Jahre als Bürgermeister in Weyhe waren noch einmal eine richtige Lehrzeit. Ich war jeden Tag nah dran: Was ist das Problem, wie kann die Lösung aussehen?“ Dazu gehöre es aber auch, dass die Sozialdemokratie im Lokalen verankert sei: in Vereinen, Gewerkschaften, Elternvertretungen, Stadtteilen und Quartieren. Für die SPD sei es an der Zeit, das Vertrauen der Menschen vor Ort zurück zu gewinnen.

Wenn das geschehen ist, muss ein neues Parteiprogramm her – mit Antworten für die Zukunft. Die ist etwas komplexer als das ausgelatschte Narrativ der sozialen Gerechtigkeit. Übrigens wird es der CDU genauso ergehen wie der SPD.

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Eine Recherche zum Thema Pflege

Dienst am Menschen – das ist der traditionelle Begriff von „Pflege“ – in der Alten- genauso wie in der häuslichen und Krankenhauspflege. Die Wissenschaft hat längst neue Standards definiert, doch dieses Weltbild ist längst noch nicht in allen Bereichen angekommen. Ausbeutung, Mobbing, unregelmäßige Dienstpläne und ausgebrannte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind heute noch an der Tagesordnung.

Die Bundesregierung übertrifft sich derweil selbst mit einer Pflegeoffensive nach der anderen. Aber was kommt unten an? Wie ist die Lage in den Einrichtungen? Dies möchte ich durch meine Recherche für die ROTENBURGER KREISZEITUNG herausfinden. Ich bin auf der Suche nach Menschen, die offen oder anonym über ihren Alltag sprechen möchten. Es geht um gute Beispiele genauso wie schlechte.

Wer mit mir sprechen möchte, darf mich anschreiben: unter der E-Mail-Adresse recherche@ulf-buschmann.de oder über die Messengerdienst Telegram und Signal. Natürlich sind auch Anrufe, Briefe oder ein Fax möglich. Die Nummern finden sich im Impressum.